In deutschen Telefonbüchern finden sich 67.620 Telefonbucheinträge zum Namen Huber. Insgesamt gibt es 180.320 Personen mit diesem Namen in Deutschland. Dass die meisten Hubers aus dem südöstlichen Teil der Republik stammen, lehrt nicht nur der Blick auf die geografische Verteilung der Namen, sondern wer sich für die touristischen Datenbanksysteme und dort besonders für das Projekt des Tourismusverbands Ostbayern interessiert, tritt fast automatisch mit zwei Hubers in Kontakt.
Stefan Huber ist Diplom-Informatiker und Geschäftsführer der Firma C+V Huber, Ulrich Huber ist Doktor der Ingenieurswissenschaften und verantwortet am Landratsamt Cham die Pflege und den Betrieb des dortigen Geoinformationssystems (GIS). Beide sind nicht verwandt oder verschwägert, aber maßgeblich an einem Projekt beteiligt, bei dem der Tourismusverband Urlaubsgästen und Mitgliedern georeferenzierte Informationen zur Verfügung stellt. Besonderheit der Lösung ist es, dass über eine Internet-Kartenlösung verschiedene Geodatenbanken verknüpft werden. Stefan Huber: „Eine solche IT-Architektur stellt nichts Anderes als einen Paradigmenwechsel im Datenmanagement dar, denn das bisherige Vorgehen bei der Zusammenführung von Daten verfolgte meist den Ansatz, Daten redundant zu halten und sie zentral zu sammeln.“ Der Unterschied ist auch für Nutzer des Portals spürbar. Die integrierte Suchmaschine sichtet nämlich bei Anfragen die verschiedenen über Webservices angeschlossenen Datenbestände und stellt somit Informationen beispielsweise über Gaststätten, Radwanderwege oder GPS-Touren aktuell zur Verfügung.
Da die einzelnen Datenbankbetreiber wie die Landratsämter oder die Touristik-Informationen, weiterhin für die Pflege und Aktualisierung ihrer Daten zuständig sind, kann so ein möglichst aktuelles Portal garantiert werden. Ein solcher Ansatz ist nicht nur für die Tourismusbranche von Bedeutung, er dürfte auch für die Geodatenfachwelt interessant sein. „Damit kann die Philosophie einer Geodateninfrastruktur in einer verteilten Datenhaltung bewahrt werden“, sagt Ulrich Huber vom Landratsamt. Diese Architektur erlaubt es, dass der Web-Mapping-Service (WMS) auch die Daten der bayerischen Landesvermessungsverwaltung anzapft. „Freilich sind hier hinsichtlich Performance und Kartenqualität für die freie Einbindung der Daten Grenzen gesetzt. Das Projekt zeigt aber, dass in ein solches Portal technisch unterschiedlichste Karten von Dritten eingebunden werden können“, erklärt Stefan Huber von C+V. Für den Nutzer biete dies praktische Vorteile. „So kann beispielsweise beim Hineinzoomen in die Karte zwischen verschiedenen Maßstäben gewählt werden“, erklärt der Informatiker.
Über einen weiteren WMS können zum Beispiel die aktuellen Temperaturen der Badeseen angezeigt werden. Der Tourismusverband Ostbayern hatte bereits vor vier Jahren begonnen, eine Datenbank aufzubauen, die über Webdienste verschiedene Datenquellen verbindet, um so möglichst aktuelle Informationen über Veranstaltungen, Gastronomie oder Wandertouren anzubieten.
Erst Mitte des Jahres 2006 begann der Verband, die Informationen zu georeferenzieren. Bereits zu diesem Zeitpunkt sah das Konzept vor, dass die Informationen von den jeweiligen Leistungsträgern wie etwa den Landratsämtern, den Tourist-Informationen oder den Gastgebern gepflegt und über Webdienste angebunden werden. Für die Kartendarstellung sollte dieser Ansatz beibehalten werden. Zunächst wurde ein Prototyp mit Google Earth gestartet. Das Vorgehen „erwies sich aber aufgrund der Systemvoraussetzungen von Google Earth als nur bedingt geeignet, um ein breites Publikum zu erreichen“, berichtet Stefan Huber. Gerade die Notwendigkeit für den Nutzer, ein spezielles Programm auf dem Rechner zu installieren, sei dabei eine Barriere. Klar war für die Projektverantwortlichen jedoch, dass nur Microsoft Virtual Earth eine Alternative bieten konnte, denn „der Lizenzpreis, die frei zugänglichen und programmierbaren Schnittstellen und die im Vergleich zu etablierten GISLösungen sehr schnelle Performance sind klare Vorteile beider Lösungen“, erklärt Stefan Huber.
Wegen des günstigen Preises und der Unterstützung von Standardbrowsern fiel die Wahl dann auf Microsoft Virtual Earth, dessen Luftbilder und Schrägluftansichten (Birds Eye) nun im Portal zu sehen sind. Die Nutzung der amtlichen Luftbilder aus dem Landesvermessungsamt wäre zwar eine technische Alternative gewesen, die im Vergleich zu Microsoft geforderten Kosten dafür hätte der Tourismusverband jedoch nicht tragen können. Für die Verknüpfung der Daten wurde neben Virtual Earth der Online Kartendienst eContent.Maps des Start-Up- Unternehmens C+V Huber eingesetzt, der speziell in diesem Projekt entwickelt wurde. Dazu hat das Partnerunternehmen von Microsoft seine bisherigen Erfahrungen aus dem Bereich der Internettechnologien eingebracht. Das Ergebnis ist „ein komponentenbasiertes XML-Geoportal-Framework“, das Fachdaten verschiedener Datenbanken in Echtzeit integriert. Doch in Bayern gestaltete sich der Aufbau der dezentralen Datenstruktur nicht einfach. „In Ostbayern hat sich die Integration als besondere Herausforderung erwiesen, weil die Daten aus sehr heterogenen Quellen stammen“, sagt Stefan Huber. Die Datenbanken mussten im Vorfeld homogenisiert werden. Dazu wurde in Ostbayern eine Schnittstelle als Defakto-Standard definiert, um so den Datenaustausch einfacher zu machen. Dies galt in erster Linie für die touristischen Informationen.
Als Problem erwies sich in der Pilotphase jedoch gerade die Integration der Geofachdaten, was insbesondere überrascht, weil die GIS-Welt seit Jahren leidenschaftlich über die Integration von Datenbeständen mit Hilfe von Webdiensten diskutiert. Stefan Huber: „Grund dafür waren beispielsweise die verschiedenen Standards, die bei den Landesvermessungsverwaltungen gerade in Bezug auf das Koordinatensystem genutzt wurden.“ Denn im Gegensatz zu Virtual Earth, das auf dem weltweit gültigen World Geodetic System 1984 (WGS84) beruht, nutzen die bayerischen Verwaltungen noch landestypische und damit individuelle Bezugssysteme. Zwar versprachen die Anbieter bereits damals, durch die Unterstützung der OGC-Standards dieses Problem einfach lösen zu können, doch die Praxis brachte eine andere Erfahrung. „Gerade die Esri-Technologie war zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage, die geforderten Webdienste in geeigneter Performance bereitzustellen“, sagt Stefan Huber. Vom GIS-Spezialisten Huber am Landratsamt Cham kam dann der Vorschlag, die dienstebasierte Architektur auf GIS-Seite entsprechend weiterzuentwickeln.
Das Projekt führte dann Stefan Huber mit seinem Start-Up-Unternehmen durch. Er wurde dabei von Microsoft und Esri Geoinformatik unterstützt, setzte die technische Integration aber maßgeblich in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Cham um. Während Esri Entwicklungsressourcen beisteuerte, unterstützte Microsoft das Projekt sowohl von Seiten des Virtual-Earth-Teams als auch mit dem Know-how rund um das auf die öffentliche Hand spezialisierte Content Management System Komxpress, das bereits in Cham eingesetzt wurde. Desweiteren sorgte die Firma für die gesamte IT- und Netzwerkinfrastruktur des Projektes. Im Umfeld der vermeintlichen Technologie-Marktführer macht aber dennoch das Start-up Unternehmen von Stefan Huber das Rennen und konzeptionierte die webbasierte Kartografielösung.
Das Eindringen in das Kompetenzgebiet der Kartografie hat sich für den Informatiker, der eigentlich im Bereich von Weblösungen tätig ist, bereits gelohnt. „Das Tourismusportal in Ostbayern war im Februar unser viertes Projekt dieser Art, heute haben wir bereits über 250 realisiert.“ Inzwischen habe er einen Auftrag der übrigen drei Tourismusverbände in Bayern erhalten, ähnliche Projekte umzusetzen, und auch aus Österreich kämen im Zuge der kürzlich veröffentlichten Virtual- Earth-Luftbilder rege Anfragen. „Mein Hauptproblem im Moment ist es, qualifizierte Leute einzustellen, um die Projekte zu bewältigen“, sagt der Jungunternehmer. (sg)
Quelle: Wirtschaftszeitung Business Geomatics, Ausgabe 06/08
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